Warten auf das, was kommen wird. Adventsimpuls von Ehrensenator Pfarrer Dirk Stoll

Das täten wir jetzt auch – in normalen Jahren. Da warteten wir jetzt, nachdem alle Gesellschaften ihre Eröffnung gefeiert hätten, auf das Weihnachtsfest – und danach auf Prinzenempfang, die Galas und Kostümpartys, Rathaussturm und närrische Stadtverordnetenversammlung.

In normalen Jahren. Doch dieses Jahr ist nicht normal. Warten wir deshalb vergeblich?

Warten – das ist nicht unbedingt eine Stärke in unserer Zeit: Wir sind es gewöhnt, alles sofort zu haben. Wir erwarten, jederzeit alle Lebensmittel kaufen zu könne, auf die wir gerade Lust haben, wir bestellen im Internet fast schon im Moment, in dem ein Wunsch sich auftut. Und werden schon nervös, wenn uns das entsprechende Paket erst am Dienstag erreichen kann, wo wir doch schon am Freitagabend …

Das war vor gar nicht langer Zeit noch anders, selbst in der Stadt: In meiner Kindheit sparte ich zunächst auf das, was ich mir kaufen wollte (was die Freude darauf noch vergrößerte und mich froh machte, wenn ich es dann endlich nach Hause bringen konnte). Und Zitrusfrüchte und Kokosnüsse gab es eben nur in der Weihnachtszeit, genauso wie eben im Herbst/Winter Kohl zum Essen gehörte – und eben nicht frische Salate.

So warteten wir freudig-geduldig – ganz so, wie der Landwirt oder auch der Kleingärtner nach der Aussaat darauf wartet, daß die Pflanzen aufgehen, wachsen und erntefähig werden.

Und wir ließen Pausen – auch so, wie der Bauer in der sog. „Drei-Felder-Wirtschaft“ jedem Acker alle drei Jahre eine Erholung angedeihen ließ, damit sich der Boden erholen konnte. In der Bibel gibt es das „Sabbatjahr“, in dem jedes siebte Jahr kein Anbau betrieben wurde und man nur das ernten konnte, was „von selbst“ wuchs. Und nach dem siebten Sabbatjahr wurde noch das sprichwörtliche „Jubeljahr“ eingelegt, wo man noch einmal darauf wartete, was es geben würde. Erst danach begann wieder das „normale Leben“.

In gewisser Weise haben wir jetzt auch so eine Jubeljahr-Session, so wie zuletzt wahrscheinlich in den Kriegsjahren (vor nunmehr fast schon einem ganzen Menschenleben). In dieser Zeit ruht eben vieles von dem, was normal ist – aber es gibt auch die Möglichkeit zur Regeneration, zur Erneuerung: Neue Programme oder auch Wechsel in eine andere Tätigkeit im Karneval – und das nicht nur aufgrund der Tatsache, daß man für das bisher Vertretene zu alt wird, sondern auch, um Neues auszuprobieren.

Und dann lohnt sich auch das Warten

Auf Neues dann in allen Sparten.

Seid von Fantasie da alle voll!

Helau, Alaaf! Es grüßt Dirk Stoll.

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