Interview mit dem neuen Kasseler Prinzenpaar

Seit dem 11.11 hat Kassel für ein Jahr ein neues Prinzenpaar. Für ein Jahr sind Lars Küllmar (39) und Kathrin Vaupel (34) als Prinz Lars II. und Prinzessin Kathrin Repräsentanten der Gemeinschaft Kasseler Karnevalgesellschaften (GKK). Sie kommen aus der „Karnevalgemeinschaft und Tanzsportgemeinschaft Süd-M-Einser“ die in diesem Jahr aus den Vereinen „KG Süd“ und „Die M-Einser“ fusioniert ist. In ihr Amt eingeführt werden sie am 11.11. um 20.11 Uhr im Philipp-Scheidemann-Haus. Der Eintritt ist frei. Gezeigt wird ein karnevalistisches Programm aller Kasseler Karnevalgesellschaften.

Geboren und aufgewachsen sind beide in Fritzlar. Kathrin Vaupel in Geismar und Lars Küllmar im nur drei Kilometer entfernten Haddamar. Jetzt wohnen sie als Paar in Kassel und Haddamar. „Ich brauche aber den Herkules und die Straßenbahn um glücklich zu sein“, so Kathrin Vaupel. Lars Küllmar ist gelernter Maler und arbeitet in Waldau. Er ist Mitglied beim „Carneval Club Haddamar“ und wie seine Partnerin bei der „KG Süd“, sowie Aktives Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr und beim Fußballverein SG KiLoHa (Kirchberg – Lohne – Haddamar). Kathrin Vaupel arbeitet als Arbeitsvermittlerin mit Schwerpunkt Flucht und Migration und ist zusätzlich Stellvertretende Fachliche Leitung für diesen Bereich beim Jobcenter des Landkreises Kassel. Gemeinsames Hobby ist neben dem Karneval der Besuch von Fußballspielen des BVB und sie gehen gerne ins Kino. Er in Horrorfilme, sie mag es eher romantisch. Begleiterpaar sind Benjamin und Simona Müller. Sie waren vorher Prinzenpaar in Holzhausen (Reinhardswald) und sind jetzt auch Mitglied der „Große Kasseler Karnevalgesellschaft Fuldatal-Die Windbiedel“.

GKK: Wie kommt man auf die Idee Prinz und Prinzessin zu werden?

Lars: Im letzten Jahr haben wir beim Ausklang noch Sprüche gemacht, dass wir uns den Karneval in diesem Jahr noch aus dem Saal anschauen und im nächsten Jahr von der Bühne. Das war ein Witz, ich hätte auch nicht gedacht, dass er so schnell Realität wird.

Kathrin: Das wir dann wirklich gefragt werden, wäre uns im Traum nie eingefallen. Das ist emotional so als würde man vom Lottogewinn oder dem super Jobangebot träumen und plötzlich wird es Realität. Zumal es die höchste Ehre im Karneval ist einmal Prinzenpaar zu sein und seinen Verein oder in unserem Fall die GKK zu repräsentieren. Gleichzeitig bedeutet es aber auch gute organisatorische und finanzielle Planung, denn man muss viel Zeit und auch Geld einbringen, bzw. Sponsoren finden und mit dem Arbeitgeber gute Absprachen für die „tollen Tage“ treffen.

GKK: Sie sind noch gar nicht so lange im Kasseler Karneval und jetzt schon Prinzenpaar. Eine steile karnevalistische Karriere.

Lars: Als wir Ende Juli von unserem Verein gefragt wurden, ob wir Prinzenpaar machen, habe ich nur gut fünf Minuten überlegt und zugesagt. Das war ein Bauchgefühl. Meine Prinzessin ist da eher der Kopfmensch, mit vielen Listen und viel Organisation – einer muss ja bei uns den Überblick behalten. (Lacht)

Kathrin: Lars habe ich in seinem Karnevalsverein kennengelernt. Bis wir ein Paar wurden, hat es allerdings noch einmal vier Jahre gedauert. (lacht) Ich habe ihm damals im Büro ausgeholfen und Lars war mit seinen Elferratskollegen da und plante die Karnevalsitzung.

Lars: Wenn uns damals jemand gesagt hätte, dass wir heute ein Liebes- und seit dem 11.11. auch ein Prinzenpaar sind, wir hätten ihn glatt für verrückt erklärt. Der Karneval ist halt immer wieder für Überraschungen gut.

GKK: Ihre Beziehung zum Karneval ist allerdings schon etwas länger…

Lars: Ich war schon als Kind in meinem Heimatort Fritzlar – Haddamar im dortigen Karnevalsverein CCH Haddamar in der Kindergarde als Tänzer aktiv. Seit fünf Jahren bin ich Elferratsmitglied. Seit einem Jahr bin ich nun mit Kathrin auch im Kasseler Karneval aktiv. In Kasseler Karneval habe ich sehr schnell Anschluss gefunden.

Kathrin: Den Kasseler Karneval habe ich vor vier Jahren kennen und lieben gelernt. Zu Beginn habe ich die Veranstaltungen vereinzelnder Vereine besucht und dieses auch filmisch mit der Videokamera festgehalten. Vor drei Jahren bin ich dann auch Mitglied bei „KG Süd“ geworden. Ich wollte dann aber unbedingt nicht mehr nur hinter der Kamera stehen. Diese Chance habe ich dann durch den Vorsitzenden Andreas Fensky bekommen. Er hat mich als Sitzungspräsidentin mit auf die Bühne genommen. So habe ich als Sprung ins kalte Wasser die Traditionen eines karnevalistischen Programmes und Moderation gelernt. Wir als KG-Süd haben schon gute Erfahrungen mit Sitzungspräsidentinnen gemacht, doch für einige Männer ist das immer noch etwas Ungewohntes. Aber das muss ja nicht immer zu bleiben (zwinkert).

GKK: Sie kommen aus einem Verein, der in diesem Jahr durch die Fusion zweier Kasseler Traditionsvereine entstanden ist. Welche Rolle spielt das für Euch?

Kathrin: Es spielt gerade für mich eine große Rolle. Wir haben uns im Vorstand der „KG Süd“ viele Gedanken gemacht, wie es weitergehen kann. Es ist doch leider immer häufiger in der heutigen Zeit so, dass die kleinen Vereine nicht lange überleben können. Schließlich erwartet man auch von kleinen Vereinen, dass sie volles Programm liefern. Wir waren uns aber auch einig, dass wir so einen Traditionsverein nicht einfach untergehen lassen können. Daher haben wir uns mit dem ebenfalls kleiner gewordenen Verein „M-Einser“ zusammengeschlossen. Das funktioniert aber auch sehr gut, weil wir uns ja aus dem Karneval kennen – wir sind ja so etwas wie eine große Familie.

Lars: Das wir im Gründungsjahr des neuen, fusionierten Vereins und im Jubiläumsjahr der alten „KG Süd“ Prinzenpaar sein dürfen, ist für uns eine ganz besondere Ehre. Zumal man diese Chance nur einmal im Leben hat. Ein wichtiges Ziel bei dieser Fusion ist für uns auch, den neuen Verein auf stabile Beine zustellen. Das beginnt schon mit einem gut zusammenarbeiten Vorstand und geht über die Gewinnung und Erhaltung der aktiven Mitglieder weiter. Ich bin froh, dass die Verantwortung für den gemeinsamen Verein bei Sascha Guth und Andreas Fensky in erfahrenen und guten Händen sind.

GKK: Karneval und Kassel – da reibt sich mancher Zeitgenosse immer noch die Augen. Wie ist Ihre Erfahrung?

Kathrin: Ja, das habe ich schon öfters hören müssen. Da wird man schon mal komisch angeschaut und gefragt „Wie, Kassel feiert Karneval?“.  Karneval in Kassel  kennen die meisten gar nicht. Selbst die Kollegen an der Arbeit haben immer mal komisch geschaut, wenn ich gesagt habe ich muss los zum Seniorenkarneval oder Umzug am Karnevalsamstag. Die Gemeinschaft Kasseler Karnevalgesellschaften geht mittlerweile auch neue Wege, damit Karneval in Kneipen, Sitzungen mit Programm und die Umzüge bekannter werden. Entscheidend ist doch, dass wir alle gemeinsam feiern und die Tradition auch pflegen.

Lars: Dass man in Kassel auch Karneval feiert, wusste ich schon als Kind. Meine Mutter ist in Kassel geboren und hat als Jugendliche bei „Narrhalla Chassalla“ mitgetanzt. Den Verein gibt es zwar nicht mehr, aber meine Mutter ist sehr stolz, dass wir zwei das neue Prinzenpaar der GKK sind. Als ich Kathrin das erste mal mit nach Hause gebracht habe und Sie dann noch erwähnt hat, dass Sie im Karneval aktiv ist, haben die zwei Frauen sich auf Anhieb gut verstanden. (lacht) Andere tauschen Kochrezepte mit der Schwiegermutter aus, meine Prinzessin informiert Sie über den Karneval – hat auch nicht jeder, oder ?

GKK: Politiker verkünden nach Ihrer Wahl ein Programm. Haben sie auch Ziele für ihre Regentschaft, wenn ihr wirklich etwas verändern könntet?

Lars: Unser närrisches Motto heißt „Egal ob du kommst aus Süden, Norden, Osten oder Westen, hier im schönen Kassel feiert man Karneval am besten. Mit Sonne im Herzen und Stolz in der Brust, sind wir ein Prinzenpaar mit Freude und Lust.“

Kathrin: Wir repräsentieren ja nur den Karneval, allerdings bekommen wir ja nach dem Rathaussturm symbolisch vom Oberbürgermeister den Rathausschlüssel und „regieren“ bis Aschermittwoch. Zum Glück ist mein Prinz ein geborener Handwerker, somit werden wir die ganzen Kasseler Baumaßnahmen in die Hand nehmen. Die Schleuse ist uns ein wichtiges Anliegen, damit das Leben an der Fulle noch lebenswerter wird. Schließlich hängen da auch eine Menge Arbeitsplätze dran und die gilt es gerade bei uns hier in Kassel zu erhalten – das ist besonders für mich als Arbeitsvermittlerin wichtig. Des Weiteren würden wir gerne den Nahverkehr weiter ausbauen und auch verbessern. Die Netzreform hat offenbar jemand ausgearbeitet, der nicht wie ich jeden Tag mit der Straßenbahn an die Arbeit fährt. Außerdem würden wir uns für eine Multifunktionshalle stark machen, damit auch größere Events und Bands nach Kassel kommen, da wir sehr gerne auf Konzerte gehen und auch schon mehrfach gehört haben, das es von den Kasseler Bürgern gewünscht wird.

Lars: Ich würde gerne noch die Anbindung nach Dortmund verbessern, am besten eine direkt Verbindung zum „Signal-Iduna-Park“ – ich bin BVB-Fan und da muss man natürlich entspannt zu den Spielen anreisen können. Nichtsdestotrotz unterstütze ich auch den KSV Hessen Kassel und besuche dort auch gerne die Spiele im Auestadion.

GKK: Und was ist nach Aschermittwoch?

Das ist das höchste was ein tänzerisch aktiver Karnevalist erreichen kann und somit eine Ehre für den Kasseler Karneval. Zumal dieser Erfolg mit viel Schweiß und hartem Training der Tänzer verbunden ist. Oft wird übersehen, dass die Karnevalvereine jede Woche trainieren – so wie ein Sportverein. Da läuft ganz viel regelmäßige Kinder- und Jugendarbeit.

Kathrin: Wir freuen uns natürlich auch auf die anderen Volksfeste in Kassel wie den Zissel, die Wehlheider Kirmes oder auch die Waldauer Entenkirmes. Sie gehören einfach zu Kassel genau wie der Herkules. Auf den Festen trifft man dann auch viele Freunde und Bekannte wieder und schließt neue Freundschaften.

Weitere Informationen findet man unter www.facebook.de/karnevalkassel

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