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Aktuelles

Fastnachtspredigt zum Ende der Session 2020/21 von Ehrensenator Pfarrer Dirk Stoll

Wenn sonst rückt Aschermittwoch ran,

wehren sich alle Narren dann

woll’n das eigentlich nicht sehen,

dass Frohsinn, Witz vergehen,

 

weil anders wird die Jahreszeit.

Doch dieses Jahr da macht sich breit,

es sollt doch schnell vorüber sein

ein Karneval, der nicht mehr fein,

 

sondern auch am Lockdown leidet,

weshalb ein jeder nun vermeidet,

zu feiern so, wie wir’s gewohnt,

nur, damit wir werden verschont

 

von diesem Virus, der zum Fall

bringt alles, auch den Karneval.

Kein Till, der in den Spiegel blickt,

keine Garde – nur geklickt,

 

was früher sie getanzt einmal

in wundervoll geschmückten Saal,

kein Gesang tat da erklingen,

nicht Wölf‘ und Meistersinger singen,

 

kein Kokolores in der Rede

keine Baunataler-Fehde,

kein Kasseler Schoppen, Kochwurst gar

gab’s wirklich nicht in diesem Jahr.

 

Und deshalb können wir‘s verschmerzen,

Aschermittwoch woll’n wir herzen,

denn er bewahrt uns nun genauer

vor Leere und der Trauer.

 


 

Doch war da manches dieses Jahr,

welches uns wollt‘ machen klar,

dass Narretei ist nicht unwichtig.

Nein, es ist so manches richtig

 

Närrisch Geschehen stets zu sichten.

So will auch ich hier grad berichten,

was ich gesehen in der Stadt,

die so viel zu bieten hat.

 

Doch auch daneben gab es viel,

welches kann sein des Narren Ziel:

So war im Januar der Scherz,

dass schon vorüber war der Merz.

 


 

Fremdschämen musste man sich ja

Diesmal über Amerika.

Ein neuer Präsident gewählt,

ein andrer meinte da gequält,

 

dass jedermann von ihm doch wollte,

dass er sein Amt behalten sollte.

Nein, ich meine nicht den Schröder,

jenen alten Schwerenöter,

 

sondern das nachgebor‘ne Kind,

von welchen, die eingewandert sind:

Dass der heut nicht Migranten duldet!

Dass der Etat wird hoch verschuldet,

 

zu bauen eine große Mauer,

denn so meint er – es wär schlauer,

den Migranten zu verbau‘n

das Land der Hoffnung anzuschau‘n.

 

Unbegrenzte Möglichkeiten ja:

So kennt man doch Amerika.

Was das bedeutet, konnt‘ man sehn

Was tat die letzten Jahr‘ abgehn:

 

America first – so war sein Motto,

Dabei wollte dieser Otto

Doch nur sein Schaf ins Trockne bringen,

es der Steuer wohl abringen.

 

Zuletzt, da meint er unverhohlen,

man hätte ihm die Wahl gestohlen.

Dabei stammt er doch von je her

Aus ner Familie der Verlierer.

 

Die stammt bekanntlich aus der Pfalz,

von wo man ausgewandert, als

es noch gehörte zu den Bayern.

Noch heute wird dies Kallstadt feiern.

 

Schon damals tat ein Lied erklingen

Und so hörte man sie singen:

 

Wir sind die Trumpfs, Trumpfs, Trumpfs aus der Palz,

uns steht das Wasser jetzt schon bis zum Hals,

wir haben nix, nix, nix in der Hand,

das geht über den Verstand.

 

Da war zunächst die Heimat weg,

dann fiel bald auch das „F“ in’n Dreck,

und schließlich – es ist wohlbekannt –

verlor der Donald den Verstand.

 

Und nicht die Wahl. Hier sei’s gesagt:

Wer es in Demokratien wagt,

die Stimmauszählung anzugreifen,

wird nicht zum wahren Menschen reifen.

 

Der ist schrecklicher als Corona

Denn dieser Virus ist nur da

Um zu sein im Aerosol –

Und nicht beim Sturm aufs Capitol!

 


 

Im Land der Dichter und der Denker

Galt er lang nicht als der große Lenker:

Der Sachse galt als Witzfiguren,

der ständig war neben der Spur,

 

lebend da draußen ziemlich weit

im Tale der Unwissenheit.

Der Dialekt war wohlbekannt

(Manchmal wurd‘ das gar „Sprach‘“ genannt).

 

Von Wissenschaftlern keine Red,

beim Gehirnverteil’n war’n sie zu spät.

Selbst für Ministerpräsidenten

Musst’n sie sich an den Westen wenden.

 

Oder sie spielen – ganz der Dandy –

Bei Konferenzen auf dem Handy.

Doch in der jetzt’gen Pandemie

Ein Meisterstück lieferten sie:

 

Denn Sachsen zeigte dabei schon

Den Beweis der Evol’tion:

Erst Pegida – dann Corona,

dann war der Darwinismus da!

 

Und die Moral von der Geschicht:

Bei Querdenkern sei lieber nicht.

Denn das versucht doch nur Schlamassel

(wie man bei Jana sah aus Kassel).

 

So denke hin und denke her,

aber denke nur nicht quer

Wer meint, dass er querdenken soll,

der teilt am Ende auch durch Null!

 

 


 

Doch nicht nur Schlimmes ist geschehn

Im Jahre von Covid-neun-zehn,

Manch‘ Gutes hat es auch gebracht,

worüber’s Herz im Leibe lacht.

 

So war es bald schon allen klar,

dass kein Platz für’n „Tag der Erde“ war.

Nur ein Tunnelbild davon heut zeugt,

dass man sich da dem Lockdown beugt.

 

Doch was daran das Beste war:
Nicht einer von der ganzen Schar

Veganer fordert: Zu dem Durst

Müsst essen ihr ne Tofu-Wurst.

 

Sind wir schon so Einwand‘rungland,

dass heute ist nicht mehr bekannt,

was „Schmeckewöhlerchens“ wohl sind –

früher wusste jedes Kind:

 

Ahle Wurst und Weckewerk

(so wusste das jeder Zwerg)

Und Grüne Soße mussten sein,

damit das Essen würde fein.

 

Aber dies Jahr, da war’n sie still,

denn auch der kleine Virus will

in Zukunft auch ‘ne Bratwurst haben

und sich mit uns daran dann laben.

 


Auch der and’ren Diskussion,

die wir führen lange schon,

hat der Lockdown nen Stopp gesetzt,

so dass heut keine wieder hetzt

 

und fordert wieder früh und spat

für Frau’n den halben Elferrat.

Ach, wie hab ich sie vermisst,

weil die dabei niemals vergisst,

 

abzulichten den MÄNNERRat

(denn das macht sie, in der Tat).

Das find ich immer lieb von ihr.

Mein besond’rer Gruß gilt dir!

 


Bei der Hacke steht er – welch ein Glück!

Der Fullefischer ist zurück.

Im Sommer war er nicht zu sehn.

Ja, was war denn da geschehn?

 

Morgens, wenn die Sonn aufgeht,

der Fullefischer auch aufsteht,

nimmt dann am Frühstückstische Platz

mit seinem Teleprompter-Schatz,

 

teilt sich mit ihr ne Heringsdos‘,

wischt mit Brot noch aus die Soß‘,

Und spricht zu ihr: „Ich muss nun gehen

Und mein Tagewerk versehen.“

 

‘S gibt noch ‘nen Schmatz for sinne Hulle,

dann stratzt hä los – doch nich‘ zur Fulle.

Nein, hä stratzt durch Flor‘ und Fauna

Und nimmt Platz am Strand der Bauna.

 

Was hat ihn denn dazu getrieben?

Ich sage es euch, meine Lieben:

Ihm war natürlich ganz schnell klar,

wie gefährlich dieser Virus war,

 

der alle Welt an den Haken legte,

so dass sich mancher kaum noch regte

Jedoch – sagt sich der Angelmann –

Schau dir doch so nen Virus an,

 

So klein er ist, hat er doch auch

Seinen eig’nen Stolz im Bauch!

So macht sicher er den Bogen mal

Da unten rund um Baunatal.

 

Doch als dann selbst der Trump erkrankt‘,

da war der Fischer au‘ bedankt,

sah, dass der Virus wohl mutiert –

oder besser wohl: degeneriert.

 

Und so kam auch die Marterqual

Nunmehr selbst nach Baunatal.

Der Fischer sprach da einfach: Schluss –

Und kehrt zurück an seinen Fluss.

 


 

Ach, es sind auch zu beklagen

Viele von denen, wo wir sagen,

sie brachten uns auf jeden Fall

alle hin zum Karneval.

 

Woran auch immer sie gelitten,

als sie noch war’n in uns’rer Mitten:

Wir wissen sie gar wohl geborgen,

jetzt, heuer, und auch dann noch morgen,

 

wenn auch wir dann abgeschlossen

unsern Weg hier – unverdrossen,

werden wir sie wiedersehn

und wir werden dann verstehn,

 

warum es ist nicht immer so,

dass wir ständig seien froh,

dass auch Übel uns umgeben

hier in unserm irdisch‘ Leben.

 

Gedenket wollen deshalb wir

Derer, die jetzt nicht mehr hier.

Erhebt euch all von euren Plätzen

 

[Schweigeminute]

 

Ich danke euch, ihr dürft euch setzen.

 


 

Jetzt gleich ist es dann vorbei

In der Session der Narretei,

denn vor uns öffnet sich ja schon

der Übergang zu der Passion,

 

der Zeit, in welcher Jesus litt,

bevor Karfreitag er antritt

den Weg hinauf nach Golgatha.

Zu diesem Weg gibt er sein „Ja!“

 

Als er dann am Kreuz verschieden

Denkt mancher: Hätt‘ er doch gemieden,

nach Jerusalem zu gehen.

Dann könnten wir ihn weiter sehen.

 

Sie legen ihn ins Grab hinein,

schieben davor nen großen Stein.

Doch was am dritten Tag geschah,

was da die aufgeh’nd Sonne sah,

 

das war das leere Grab dann schon

statt Passio- ‘ne Sensation:

Erstiegen war er aus dem Tod

Zu Ende war der Menschen Not,

 

denn alle konnten nun erkennen,

wen wir Gott, den Herren, nennen [vgl. 1. Könige 8,60],

der Herr über Tod und Leben,

er hat uns allen wohl gegeben

 

die Auferstehung. Lasst uns loben,

den Herren über uns hoch oben,

der seine Gnad auf jeden schüttet,

der ihn einmal darum bittet.

 

Die Botschaft dieses Osterfestes

Ist für jeden nur sein Bestes.

Und damit endet die Passion

Im Osterlachen immer schon.

 

Und wenn der 11.11. kommt

Stehen wir zusammen prompt

Proklamiern das neue Prinzenpaar,

das uns dann führt ins nächste Jahr

 

zu Sitzung‘, Rathaussturm und Ball

Dann feiern wir zusammen all

Und lachen dann den Virus aus.

Doch zunächst gilt der Applaus

 

All denen, die trotz der Gefahr,

die um sich griff in diesem Jahr,

für uns alle waren da:

Pfleger, Ärztinnen und – ja –

 

Die arbeiteten im Handel, fahrn den Bus,

und letztlich auch zum Schluß:

den größten Dank, den schulden wir

den Herstellern von Klopapier.

 

So mag die Session nun enden

Winkt alle euch mit euren Händen,

Umarmung, Küsschen wird’s dann geben,

wir werden’s wieder dann erleben.

 

Bis dahin müssen wir uns schützen,

FFP2-Masken benutzen,

Die AHA-Regeln stetig halten ein

Geduldig auf die Impfung sein.

 

So bleibt von Corona nun verschont

Und Masken: Sind wir doch gewohnt

ertragt den Lockdown würdevoll.

Helau, Alaaf – es dankt: Dirk Stoll!

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