Fastenpredigt zum Sessionsausklang

Traditionell hält Pfarrer Dirk Stoll am Faschingsdienstag kurz vor 24 Uhr die Fastenpredigt und führt damit in den Aschermittwoch. Wir dokumentieren die Rede aus dieser Session hier.

 

Fast vergangen ist sie schon

Der GGK-Jubel-Session

Schon bald erscheint das schwarze Loch:

Kriecht schon heran Aschermittwoch.

 

Noch sind’s ein paar Minuten hin

So steht uns noch einmal der Sinn

Nach Jubel, Trubel, Heiterkeit

Wie’s halt so ist zur Karn’valszeit.

 

60 Jahre ist es her,

da wurd‘ es für die OBs schwer,

beraubt war’n sie des Schlüssels Gewalt

Im Rathaus waren die echten Narrn halt.

 

Und vieles ist seither geschehn:

In Udos Rückblick war’s zu sehn.

Proklamation, Sparkassen-Spaß

Für vieles gab’s da ja Anlaß.

 

Und so entstand auch dieser Abend,

der vielerorts ist nicht so labend,

denn zu plötzlich ist’s vorbei

mit der großen Narretei.

 

Wir aber blicken noch zurück

Und denken an so manches Glück,

an manche Sach‘ der Fröhlichkeit

in der zu End‘ geh‘nd Narrenzeit.

Da hatten wir doch – das war fein

Nen Elferrat, wie er sollt‘ sein:

Da waren für die GKK

Stets die elf schönsten Männer da!

 

Und sollte einmal einer fehlen,

konnt man auch auf Ersatz stets zählen.

Fullefischer, sieh’s bei Licht:

So bescheiden ist die Auswahl nicht.

 

Und trotzdem gab’s darum auch Streit:

Die Ester stand da schon bereit

Und fordert wieder – in der Tat –

Den Sitz für Frau’n im Elferrat!

 

Sie füllte dazu auch mit Leuten

Die Bretter, die die Welt bedeuten

Ein Mann dabei! – und auch die gar,

die damals nichtPrinzessin war.

 

Um diesem ganzen Druck zu geben,

sei eine Webseite am Leben,

die hieße nämlich – ach, oje

frauen-im-elferrat.de.

 

Ich wollte schaun, wie dort die Hetz

Gegen das ehrwürdige Gesetz

So öffnet ich den Browser dann,

gab die Zeichen darin an

 

und stellte fest: Die find er nicht.

Das ist der Reim auf die Geschicht:

Kein Provider find sich da,

Der zu so ner Seit‘ sagt ja.

 

Jedenfalls keiner, der was auf sich hält

Läßt zu, daß jemand das bestellt

So steht die Seite wohl adrett

nur im häßllichen Dark-Net!

Närrisch ist auch, was England macht

Wo man es nun dahin gebracht,

daß nichts mehr geht im Parlament,

daß jeder nun den Speaker kennt.

 

Und ungewiß der Brexit-Tag

Nachrichten man schon nicht mehr hören mag

Die zeigen doch nur Day by Day

Another 50 Shades of May.

 

Und auch die Royals sind nicht mehr das,

was sein sollt in der Upper Class.

Klar: Philipp ja schon lange war

Der Krone oberster Hofnarr.

 

Er sagt die Wahrheit unumwunden,

drum möchte ich hier mal bekunden:

Er wär „veritam“ zu be-Orden

Als einer hier „in joco“s Horden.

 

Doch viel mehr zeigt sich der Verfall:

„Gothaer“ ist nur Rauch und Schall!

Vor 30 Jahren macht noch noch „Bitte, bitte!“

Einer aus Haus Hannovers Mitte

 

Als frei’n wollt er aus Öst‘reichs Adel

Ein wirklich fesches Wiener Madel

Aber die hatte nen Fehler schon:

War sie Kathol’scher Religion.

Wohl in der Thronfolg‘ bei 500,

war da die Queen doch sehr verwundert:

Er mußt’s von ihr genehm’gen lassen,

diese Heirat ins Aug zu fassen!

 

Und heute darf der Fünft‘ der Reihen

Schon eine ohne Adel freien.

Das frischt das Blut mal auf und

Das Königshaus wird dadurch bunt!

 

So bunt ist auch das Narrenleben

Wo jung und alt zusammenstreben,

wo es egal, ob reich ob arm,

Hauptsache ist, es wird uns warm

 

Ob von ferne, ob von nah,

alle sei’n zusammen da.

So machen wir’s wie Royals und

Ha’m ne Prinzessin mit Migrationshintergrund!

 

(Ach, jetzt ist wieder wohl mein Mikro weg,

ja, es hat doch keinen Zweck,

wenn ich singe wieder mal

ein Loblied hier auf Baunatal!)

 

 

Aber auch im best‘ Zuhaus

Sieht manches wirklich grausig aus.

Das kann man weltweit ständig sehn

Und dank Alexa auch verstehn

 

Denn diese ist – man glaubt es kaum –

In dieser Hinsicht doch ein Traum.

Kann nicht nur bunt die Kö hier machen

Kann nicht nur bereitstell’n Christians Sachen

 

Sie läßt es dann auch nicht mal sein,

wenn Christian sagt: Alexa Nein!

Sie läßt sich nicht davon abbringen,

wenn Christian fängt an zu singen:

 

Alexa, mach doch kein Photo,

kein kleines Photo von mir.

Alexalaß doch dies Photo

Dieses Photo morgens von mir.

Ich sag dir:

Alexa, laß doch das Photo,

das kleine Photo von mir.

Alexa, versend nicht das Photo,

sonst ist es wirklich aus mit dir.

 

Und das vor allem an solchen Tagen

(das muß ich hier vor allen sagen),

wenn Polizeifunk in der Nacht

folgende Meldung hat gebracht:

 

An alle Streifen in den südlichen Stadtteilen:

Unbedingte Kontrolle aller Fahrzeuge mit Baunataler Kennzeichen, die von einer Karnevalsveranstaltung kommen. Einer der Insassen trägt vermutlich die Maske des Oberbürgermeisters zur Vortäuschung von Immunität.

 

Alexa kann auch übertragen,

was Christian täglich hat zu sagen.

Und obwohl er „Obbrzwäh’n“ spricht:

Das stört doch die Alexa nicht.

 

Die überträgt das gleich ganz flott

Und dazu noch polyglott

Im Internet nach nah und fern

Und so weiß man auf jedem Stern

 

Nun also auch, was ein Lisk ist,

den man in Kassel wohl vermißt,

weil ihn der Oberbürgeselle

nicht stehen ließ an seiner Stelle.

 

Und dazu hat er alles Recht!

Nun macht ihn doch nicht alle schlecht!

Wenn es auch stellte Kunst wohl dar,

es doch des OB Lisk stets war!

 

Es ist das Recht von jedermann

Als Zielscheibe von Spott sodann

Auch mal herhalten zu müssen.

Das dürfen Redner dann nicht büßen.

 

Wer da gleicht einen Aufschrei macht,

der hat dabei dann nicht gedacht,

daß nicht alles, was ist Recht,

nützt dem Leben dann in Echt.

 

So sage ich zwar heute nich

Was über Kühne-Bindestrich

Auch Uni-Sex-Toiletten sollen

die benutzen, die das wollen.

 

Doch dürfen die sich nicht erdreisten,

darauf sich gleich nen Shit-Storm leisten:

Empfindsamkeit ist eine Zier.

Doch manchmal geht’s auch ohne ihr!

 

Und wer stürmt auf die Bühne rauf

Im aggressiven Angriffslauf,

Dem ist die Analys zu stellen:

Es sind getroff’ne Hund, die bellen!

 

So soll es sein in unserm Leben:

Satire muß es immer geben.

Wer da nicht Ziel wird (optimiert),

wird eigentlich diskriminiert!

Doch jetzt ein Wort zum Prinzenpaar:

Wir haben eines, das ist wahr,

das gut ist für den Karneval

in Kassel. Ja, das ist der Fall.

 

Auch wenn dem Prinz fehlt heut die Stimmen,

konnt er am Samstag noch erklimmen,

die Stufen in das „Best Zuhaus“.

Da will er noch nicht ziehen aus.

 

Den Schlüssel noch fest in der Hand

Gab er da sein Programm bekannt.

Und das ist wirklich wunderbar

Politisch gender und ganz klar.

 

Für jung und alt, für arm und reich:

Als Gemeinschaft seien alle gleich.

Und doch gibt’s solche, die da leiden

Das kann wohl die Natur nicht meiden.

 

Besonders traurig kann es werden,

wenn kleine Kinder hier auf Erden

sind nicht geboren zum langen Leben:

Dafür sammelt ihr. Drum laßt euch geben

 

Den letzten Umschlag der Session,

die sich dem Ende nahet schon.

Die letzte Spend vor Mitternacht

Sei hier von mir an euch gebracht.

Doch auch danach ist es noch Zeit:

Ihr Narren, bitte seid bereit

Und spendet für die „Kleinen Riesen“,

gebt eure Gabe dann zu diesen,

 

damit unser Prinzenpaar kann geben

den Kindern auch ein fröhlich‘ Leben,

auf das dann deren Augen glänzen

sollt ihr den Spendentopf ergänzen.

 

 

O weh, da tickt sie nun, die Zeit,

so ist es wieder mal so weit:

Der Aschermittwoch naht heran

Womit stets Narrens Leid begann.

 

Das Leid. Lateinisch: Die Passion

Die nähert sich also nun schon

Doch zuvor will ich noch lenken,

heut wieder auch an die zu denken,

 

die uns einstmals bezaubert haben

mit ihren Narreteien-Gaben.

Ob Mariechen oder Tanzmajor

Manche traten mit Gesang auch vor

 

Sie unterhielten uns mit Bütten

Manchmal auch noch in ärmlich Hütten:

Sie alle haben uns geprägt

Den Frohsinn uns ins Herz gelegt:

 

Zu ihrer Ehr erhebt euch jetzt

Wie haben wir euch einst geschätzt

Wir wissen euch geborgen all

Heut in der ewigen Narhall

 

Von dort lebt ihr mit uns hier fort

Bei allen hier an diesem Ort.

Wir danken euch für euer Tun.

Möget ihr in Frieden ruhn.

Ihr habt der Toten gerad gedacht

Ich dank euch, daß ihr das gemacht.

Doch nun nehmt bitte wieder Platz,

damit ich weise auf den Schatz,

 

der‘s ist, daß wir hier nicht vergehen:

drum laßt uns auf das Leiden sehen,

das nun beginnt, wenn Jesus geht

hinauf zum Berg, wo das Kreuz steht.

 

Zuvor gibt’s für ihn manches zu tun

Das Ganze ist nicht ein Ausruhn.

Muß Hungrige speisen, Kranke heilen

Und darf doch trotzdem nicht verweilen

 

Nimmt Hilflose und Arme an

Hilft Martas, lehrt Marias dann

Gibt selbst sich hin beim letzten Mahl

Ergibt sich dann, ganz ohne Wahl

 

Dem Willen seines Vaters hin.

Und damit wird der Tod Gewinn.

So traurig es Karfreitag wird

Am Ende hatten sich geirrt,

 

all die, die ihn verderben wollen.

Mancher von ihnen wird dann zollen

Zum Ende ihm im vollen Ton:

Dieser war wirklich Gottes Sohn!

Doch bleibet er im Tode nicht.

Nein. Ostern gibt’s ein‘ neu Geschicht.

Da stellt Maria morgens fest,

daß er das Grab wirklich verläßt

 

und segnet alle mit dem Glück,

das Leben ist wieder zurück.

so ist das Trauern zu Ende dann,

weil man dann wieder lachen kann.

 

Wenn dann der Sommer wiederkommt,

dann kommt auch Fröhlichkeit wohl prompt.

Wenn dann der 11.11. lacht,

dann heißt es: Narren aufgewacht.

 

Auch Hoppeditz dann Anteil hat

Die Auferstehung fand auch statt

Für ihn und alle, die sich legen

In Gottes Hand, in seinen Segen.

 

So leiden wir nicht immerfort.

Bevor der Vizepräsident hat’s Wort

Ertön’s noch mal in diesem Bau

Ganz fröhlich hier Alaaf Helau

 

Den Karneval, den soll es geben

Nicht nur für euch in diesem Leben.

Nein, alle soll’n ihn feiern voll.

Helau Alaaf. Es dankt Dirk Stoll

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