60 Jahre GKK: Rückblick von Ehrenvizepräsident Udo Brinkmann

Der Festausschuss der GKK hat mich als Ehrenvizepräsident beauftragt, Sie auf eine kleine Zeitreise mitzunehmen – und die beginnt im Jahre 1959. Um die Ereignisse dieses Jahres erlebt zu haben, muss man schon mindestens in den 50er Jahren geboren sein und davon sehe ich noch einige hier im Saal. Was geschah in diesem Jahr 1959? In Kuba kommt Fidel Castro auch dank Che Guevara an die Macht. Die Firma Mattel stellt die „Barbie-Puppe“ vor. Eintracht Frankfurt wird Deutscher Fußballmeister. In Kassel findet die documenta II statt und wird die neue Hafenbrücke eingeweiht. Ach ja, der Vorläufer der heutigen „Gemeinschaft Kasseler Karnevalgesellschaften“, der „Bund Kasseler Karnevalgesellschaften“ wird am 07.02.1959 gegründet. Wie kam es dazu?

Nach dem 2.Weltkrieg feierten die 3 in Kassel bestehenden Karnevalgesellschaften „Verein der Rheinländer 1892“, die „Pääreschwänze“ und „Narhalla Chassalla“ den Karneval überwiegend vereinsintern. Das von den Rheinländern jeweils zu Sylvester inthronisierte Prinzenpaar besuchte auf Einladung die anderen Gesellschaften. In der Session 1958/59 waren der damalige Brauereidirektor Friedrich Berneth vom „Verein der Bayern“ und Marlies Strüning von den Rheinländern als Prinzenpaar berufen. Erstmals ergab sich die Möglichkeit, dass das Prinzenpaar und die Karnevalgesellschaften vom Oberbürgermeister der Stadt Kassel, Dr. Lauritz Lauritzen, und dem Magistrat nach der ersten Rathauserstürmung empfangen wurden. Anlässlich dieser erfolgreichen Erstürmung entschlossen sich die 3 Gesellschaften, eine Arbeitsgemeinschaft als Vorläufer eines Karneval-Rates von Kassel zur Durchführung künftiger gemeinsamer Vorhaben zu gründen. Das Protokoll dazu wurde beim Empfang im Rathaus anlässlich der Schlüsselübergabe verkündet. Bemerkenswert dabei die Aussage, dass man den Karneval sauber und rein erhalten wolle, getreu dem Motto: „Von Zoten frei die Narretei!“, worüber man heute gar nicht mehr lachen kann.

Zum 1. Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft wurde Robert Knörzer von den Pääreschwänzen gewählt. Bereits im Sommer begann man mit den Vorbereitungen für den nächsten Rathaussturm und einen Prinzen- und Rosenmontagsball in der Kasseler Stadthalle und erhielt dabei große und großzügige Unterstützung durch die Stadtverwaltung. Die für den Karnevalssamstag, den 27. Februar 1960, vorgesehene Erstürmung des Rathauses wurde wegen eines schweren Grubenunglücks im damaligen Zwickau auf Sonntag verschoben. In der Kasseler Stadtausgabe las man am Montag: „Während die Bevölkerung am Sonntagmittag in den Himmel und nach dem eigens für das Prinzenpaar reservierten Hubschrauber schaute, kamen die honigblonde Prinzessin Ortrud I. und der quicklebendige Prinz Karl I. samt ihrem närrischen Hofstaat in einer „grünen Minna“, einem geschlossenen Möbelwagen, zum Auftakt der drei tollen Tage auf dem Friedrichsplatz an.“ So blumenreich konnte man damals schreiben! Die Königsstraße und der Platz vor dem Rathaus wurden von mehreren Tausend Zuschauern belagert, das hat bis heute leider etwas nachgelassen.

Der „Prinzen- und Rosenmontagsball“ in der Stadthalle war ebenfalls ein voller Erfolg. Während des Balles erhielt der Bürgermeister der Stadt, Dr. Karl Branner, den ersten neu geschaffenen Orden der GKK, „für Humor und Frohsinn“, den Vorläufer des heutigen Ordens „In joco veritas“. Als Dank hielt er eine der besten Büttenreden der Session und sagte unter Anderem, „Ich gehöre nun, da ich die Auszeichnung erhalten habe, zu den Gezeichneten, doch habe ich bisher nicht gewusst, dass man für Humor Bescheinigungen braucht.“ Am Rosenmontag besuchte Prinz Frieder mit Gefolge die Wittich-Kaserne, um „seinen Truppen“ für den Nachmittag „dienstfrei“ zu befehlen. Dies war der Beginn einer guten Zusammenarbeit zwischen Karneval und Bundeswehr in Kassel, die leider im Jahre 1991 endete. Außer der Wittich- wurde im Laufe der Jahre auch die Jäger-, die Lüttich- und die Graf-Haeseler-Kaserne erstürmt. Die Soldaten nahmen danach auch jeweils an der Erstürmung des Kasseler Rathauses teil.

Im April 1960 fand dann die Hauptversammlung der Arbeitsgemeinschaft statt, bei der Robert Knörzer als 1.Vorsitzender, Hans Herr als 2.Vorsitzender und Willi Nesselhut als 3.Vorsitzender gewählt wurde. Unter anderem wurde beschlossen, dass jede Gesellschaft 50,00 DM als Eintrittsgeld zu zahlen hatte und dieser Betrag auch zukünftig von neu hinzutretenden Gesellschaften zu zahlen sei – 25,00 Euro!! Als erste Karnevalgesellschaft musste im November 1960 die „Große Karnevalgesellschaft Fuldatal – Die Spanschlauchbiedel“ den Betrag von 50,00 DM zahlen, sie wurde als 4.Mitglied aufgenommen. Die Zahl der karnevalistischen Mitglieder stieg in den folgenden Jahren stetig bergan:  die KG  „Herkules“, die „Windbiedel“ vom Rothenberg, die „M-Einser“ (entstanden aus der Meisterei 1 des Bundesbahn-Ausbesserungswerkes), die KG „Kassel-Süd“, genannt die Spanier Kassels,  der „Club ehemaliger Prinzen“, der „Rat der Ehrenritter“, hervorgegangen aus der KG Kassel-Süd, die „ARGE Zisselgilde“, der Prinzessinnenclub 1999 und zuletzt der „Verein für Tanzsport in Kassel“. Anlässlich der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1990 wurde der Arnstädter Karnevalclub – AKC – in die GKK aufgenommen, im Jahre 2006 auf Grund der guten Kontakte auch die „Karnevalsfreunde Einbeck“. Für einige Zeit gehörten auch die von Helmuth Graf gegründete „Stadtgarde“ und die KG „Aquarianer“ zur GKK.

Inzwischen hat sich die Zahl der Mitgliedsgesellschaften reduziert, denn die Gründungsmitglieder „VdR“ und „NC“ haben sich aufgelöst, die „WB und „Futa“ haben sich zur „Großen Karnevalgesellschaft Fuldatal – die Windbiedel“, kurz „FuWi“ zusammengeschlossen. Ein Antrag der „1. Großen Karnevalgesellschaft 1949 Lohfelden“ auf Aufnahme in die GKK wurde abschlägig beschieden, da es sich bei Lohfelden ja um eine Gemeinde aus dem Landkreis handelt. Dies führte unter anderem dazu, dass die „Interessengemeinschaft Karneval Nordhessen“, kurz IKN gegründet wurde.

Robert Knörzer bekleidete das Amt des 1. Vorsitzenden bis zum Jahre 1962, dann übernahmen Frieder Berneth, Siegward Dreyer und nochmals Robert Knörzer für jeweils eine kurze Zeit das Amt, bis im Jahre 1966 Helmuth Graf das Zepter übernahm. 8 Jahre führte Helmuth Graf die Kasseler Karnevalisten an, dann folgten Heinrich (Henner) Rudolph, Walter Grafen (Schokoladenpudding war sein Leibgericht), Werner Wurst (der mit der Kochwurst), Gerd Butzmann, Thomas Träbing, Patrick Hartmann und seit 2015 Lars Reisse. Dem Präsidenten stehen 2 Vizepräsidenten zur Seite, die ihn in besonderen Aufgabengebieten unterstützen, hier seien besonders erwähnt: Siegward Dreyer, Karl-Heinz Grosch, Werner Reisse und Thomas Minkler, der inzwischen seit dem Jahre 2002 seinen 4.Präsidenten unterstützt – weiter durchhalten, Thomas! Das Präsidium wird vervollständigt durch einen Kassierer/eine Kassiererin und dem Chef des Protokolls, seit 20 Jahren eine Domäne von Frauen aber es heißt immer noch: Chef des Protokolls.

Nach ihrer Gründung übernahm die GKK die Durchführung der wichtigsten karnevalistischen Großveranstaltungen. Nachdem in den ersten Jahren die Proklamation des Prinzen am 31.12. des Jahres beim Silvesterball der Rheinländer oder erst im Januar erfolgte, findet dieses Ereignis seit dem Jahre 1963 immer am 11.11. des Jahres statt. In den inzwischen 60 Jahren der GKK hat es in 3 Jahren kein Prinzenpaar gegeben, 2 x gab es einen Prinzregenten (Heinz Schulze und Hans Borstädt), zuletzt führte Stefan Hoffmann 2 Jahre hintereinander die Kasseler Karnevalisten an. Seit dem Jahre 1964 verleiht die GKK den Herkules-Orden für karnevalistische Verdienste in Bronze, Silber und Gold, nicht nur an Karnevalisten. Das traditionelle Ordensfest am Freitag vor dem 11.11. fand in der Vergangenheit im Schalander der Binding-Brauerei und im Schalander der Martini-Brauerei statt. Nachdem beide Räumlichkeiten nicht mehr existieren, ist man in die Bürgerräume Wehlheiden ausgewichen. Nach meiner Schätzung müssten bisher mehr als 1.800 Orden in den 55 Jahren verliehen worden sein. Ein besonderer Orden ist der schon erwähnte Orden „in joco veritas“ (im Scherz ist Wahrheit), der an besondere Menschen verliehen wird, die sich um den Kasseler Karneval verdient gemacht haben. In der langen Liste der Ordensträger stehen viele prominente Politiker, Geschäftsleute, Direktoren und Offiziere. Der Orden wird seit längerer Zeit traditionell bei der Närrischen Stadtverordnetenversammlung verliehen.

Seit 1997 führt die GKK für die Kasseler Sparkasse alle 2 Jahre eine große Sitzung in der Kasseler Stadthalle durch und wechselt sich dabei mit den Karnevalsgesellschaften aus dem Landkreis ab. Vor der Fusion der Stadtsparkasse und der Kreissparkasse fanden die Sitzungen abwechselnd statt. Eine weitere große Veranstaltung in der Stadthalle ist die Sitzung für die älteren Bürger der Stadt Kassel, „Seniorensitzung“ genannt. Die Närrische Stadtverordnetenversammlung habe ich schon erwähnt; sie findet seit 1982 im Rathaus statt. Zunächst im Magistratssaal, später im Bürgersaal und seit einigen Jahren wieder im Magistratssaal. Hier haben die Politiker die Möglichkeit, närrisch zu reden, also mal außerhalb der Stadtverordnetenversammlung. Nach mehreren vergeblichen Anläufen gelang es der Gemeinschaft, außer der Sessionseröffnung auch den Ausklang gemeinsam zu feiern. Vorher hatten einige Gesellschaften lieber intern das Ende der Session gefeiert.

Ich habe vorhin Helmuth Graf erwähnt und komme auf seine Verdienste zurück. Er gründete im Jahre 1972 die Kasseler Stadtgarde, eine Zusammenführung mehrerer Gardemädchen aus verschiedenen Gesellschaften, die große Erfolge bei Meisterschaften erzielte. Besonders erwähnenswert sind die Erfolge von Angelika Duhme, die 8 x hintereinander Deutsche Meisterin im Mariechentanz wurde. Damit bin ich schon bei einem weiteren Verdienst Helmuth Grafs, den Tanzturnieren. Im Jahre 1968 wurde in Kassel das erste Tanzturnier um den Ehrenpreis der Stadt Kassel, gestiftet von OB Karl Branner, mit 14 Gesellschaften durchgeführt. Erst im Jahre 1971 entschloss sich der BDK, eigene Turniere mit Deutschen Meisterschaften zu organisieren. Dabei stützte er sich auf die Erfahrungen von Helmuth Graf, der auch den Tanzturnierausschuss leitete. Die GKK führte bis zum Jahre 2002 insgesamt 35 Garde- und 29 Jugendtanzturniere, dazu noch 5 Deutsche und Norddeutsche Meisterschaften durch. Seit 2003 hat der Verein für Tanzsport diese Aufgabe übernommen, in diesem Jahr findet das 52. Gardetanzturnier in Kassel statt, nicht in der Auesporthalle sondern in der Sporthalle der Offenen Schule Waldau. Zur Erinnerung an den bekanntesten Turniersprecher wurde das Tanzturnier als „Siegward-Dreyer-Gedächtnisturnier“ benannt. Er konnte wie kein anderer die Gemüter beruhigen, wenn es wegen der Jurywertungen einmal zu Unmutsäußerungen kam: „Männer, Römer, Bürger, hört mich an!“ Dieser Ausspruch ist bestimmt vielen im Gedächtnis geblieben.

In die Zeit Helmuth Graf fiel auch die Gründung des „Karnevalverband Kurhessen“. Die GKK wurde durch den „Bund Deutscher Karneval“ ermächtigt, diesen Regionalverband zu gründen. 16 Gesellschaften hoben den KVK aus der Taufe, heute zählt er mehr als 100 Mitglieder. Aus den Reihen der GKK wurden 4 Präsidenten und zahlreiche Vizepräsidenten gewählt. 1979 wurde dann der Ehrensenat geschaffen. Die Ehrensenatoren und Ehrensenatorinnen stehen dem Präsidium der GKK mit Rat und Tat zur Seite und haben mit ihrem Engagement der GKK schon viel Unterstützung geliefert. Ich hatte damals die Ehre, als 1.Prinz durch den Ehrensenat unterstützt zu werden. Ihnen, den Ehrensenatoren und –innen gilt ein besonderer Dank!

Die GKK hat in ihrer 60jährigen Geschichte Höhen und Tiefen erlebt, aber sie hat sich immer wieder zusammen gefunden, um den Frohsinn, die Freude und den Spaß am Karneval weiter zu geben, besonders an die Bürger der Stadt. Und ein besonderes Anliegen der GKK und seiner eigenständigen Mitgliedsvereine ist es, jungen Menschen einen Platz zu geben, an dem sie Spaß haben und diesen auch mit anderen zu teilen. Ich wünsche der Gemeinschaft alles Gut und viele Jahre voller Fröhlichkeit zum Wohle des karnevalistischen Brauchtums.

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