Ehrensenator Pfarrer Dirk Stoll hält im Übergang auf den Aschermittwoch traditionell die „Fastenpredigt“. Dabei geht er auf aktuelle Themen der Stadt und Welt ein, stellt Bezüge zur Bibel und zum Glauben her. Nicht ohne Grund, kommt doch das Helau vom österlichen Ruf Halleluja.
Hier geht es zum Video: https://youtu.be/-yHbxyCLt9Y
Wenn hier im Saal die Glocken läuten,
so kann es da ein jeder deuten:
Dann naht das Ende der Session:
Der Aschermittwoch wartet schon.
Noch einige Minuten Zeit:
Dann ist es wirklich gleich so weit.
Doch vorher noch ein paar Gedanken
Über Themen, die rumschwanken,
Über Dinge, die da sind geschehn:
Was haben wir nicht all’s gesehn!
Manches traurig, manches heiter,
manches ging auch mal nicht weiter
(womit wir bei der Bahn dann sind,
denn die bringt uns stets geschwind
an Orte, die wir gar nicht kennen:
Da zahlt sie dann, wenn wir dort pennen).
Doch zurück in diesen Saal:
Vor uns steht die Fastenqual,
hinter uns liegt Frohsinn pur.
Was bleibt uns denn da davon nur?
Reden, Tänze und Gesang –
Bald verhalt nun deren Klang.
Und so ringen wir die Hände(n):
Warum muß das hier gleich enden?
Trauerten wir doch ums BaunaBier,
daß HÜTT nicht mehr kommt von hier,
(selbst wenn’s die Grenze ist der Stadt,
die uns sonst viel zu bieten hat).
Und doch war’n wir nicht am eiern,
nein, wir konnten fröhlich feiern
mittendrin im Mummenschanz
glänzte hier der Gardetanz,
erklangen wieder viele Lieder
und so sangen wir dann wieder
von der Laune oben – unten
sangen wir in manchen Stunden.
Und der Sven als Karn’valsmaus
Ließ uns ein in das Rathaus.
Reden wurden auch gehalten
(und das nicht nur von den Alten!),
Über vieles durft‘ man lachen.
Doch da sind auch and’re Sachen:
Denn so manches läuft oft schief!
Darauf mancher sich berief.
Auch ich hab da jetzt was erlebt,
wie seltsam unsre Welt erbebt.
Ich wollte umweltfreundlich sein,
stellt mich am Ticketschalter ein
und wollte fahren mit Bahn.
Dann kam ich an dem Bahnsteig an
Der Zug, der sollte pünktlich sein –
Und stellt‘ tatsächlich sich auch ein.
Er bremste dann auch langsam ab.
Ich plötzlich einen Schrei abgab
Und floh, so schnell es eben ging
Fort von jenem Schienending.
Denn schwarz auf grau mußt ich da lesen
Daß lebensg’fährlich es gewesen
Dort einzusteigen in den Zug.
Wer lesen kann, der wird auch klug!
Denn I – C – E stand da, sprich ICE:
Vollstreckertruppe, wie man weiß.
Offenbar will Trump sich laben,
Den angebot’nen Landkreis haben.
Doch das lassen wir nicht zu:
Jeder hier, ob ich, ob du,
tritt in dem Fall mit aller Macht
für Baunatal dann auf die Wacht.
Da sind wir solidarisch dann,
allesamt, ob Frau, ob Mann.
Denn Baunatal gehört nun mal
Auch zu uns im Karneval!
Solidarisch ist auch unsre Stadt,
die viel für Karn’val übrig hat.
Sie übergab auch dieses Jahr
Wieder das Rathaus, wunderbar,
Und Stadtvorsteher sich dann zollten
(närrisch und friedlich, wie wir’s wollten)
Sich gegenseitig mit Respekt,
was an Kritik im anderen steckt,
auch von den eigenen Problemen
trugen sie vor in ihr’n Poemen.
„Danke“ sagt in diesem Fall
Ihnen Kassels Karneval!
Und dabei weiß jeder in der Stadt,
daß die ein„Interim“ jetzt hat.
Ein Interim – hier in Nordhessen!
Da wurde wieder mal vergessen,
daß da doch das Gemähre blüht.
So hat sich mancher hier bemüht,
nach Fehlern von dem Ding zu suchen
(statt sich Karten dort zu buchen).
Denn immerhin funktioniert es doch,
das Theater fällt nicht in ein Loch.
Und 13 Monat Bauzeit – das ist Spitze!
Da braucht es keine schlechten Witze.
Ingolstadt stellt‘ ein Interim
Als Bau schon seit 6 Jahren hin,
doch ohne Heizung, Technik und so weiter:
Das ist dann wirklich gar nicht heiter.
Das Theater selbst soll’s installieren
Doch kann das ja wohl nicht passieren,
wenn das Personal soll‘s machen
neben allen andern Sachen.
Dagegen haben wir die Stadt,
die ein „Interim“ zu bieten hat!
Dafür galt es hier zu brechen
Ne Lanze trotz so mancher Schwächen!
Ich weiß nun auch, warum die Stadt
Alle 30m Laternen hat.
Ich dachte stets, es reichte auch
Wenn 50m wär’n der Brauch.
Doch dieser Tage sah ich ein,
warum so viel Latern‘ müß‘ sein:
Denn sonst reicht es im Wahlkampf nicht
Für jedes Kandidat‘-Gesicht.
Doch jetzt zurück zu unserm Fall,
also zu unserm Karneval.
Da sieht man allzus, wie vergessen
Die Frankfurter wieder mal Nordhessen.
„Nordhessen feiert Karneval“:
So hieß dann das aus Baunatal.
Jedoch: Was da „nordhessisch“ war,
war fast nur unser Prinzenpaar.
Doch da gab – zu des HR Ehre –
Die Hessenschau ne andre Lehre:
Dort war dann wirklich klar gesagt,
daß Karneval in Kassel tagt,
daß Karneval hier schon gefeiert,
als Frankfurt gerade mal so eiert,
daß Karneval hier Tradition.
Naja, wir wußten’s immer schon.
So war der Karn’val immer bunt –
und das ist wirklich sehr gesund –
gemeinsam können wir es stemmen,
wo andere meinen, sie müßten hemmen.
Gemeinsam stets in Narretei
So sei man immer mit dabei,
Die Alten ganz so wie die Jungen
Gemeinsamkeit sei stets besungen.
Und so soll es ewig sein:
Prinz und Prinzessin knie’n sich rein,
damit der Nachwuchs dann irgendwann
steht statt der Alten dann vorn an.
Und auch dafür sammelt ihr.
Prinz, tritt also vor zu mir,
die letzte Spende der Session,
die ist von mir (auch Tradition).
Wenn Jungen dann mal weitermachen,
dann sich verändern manche Sachen.
Und dennoch können Alte dann ruhn,
wenn jene dann die Arbeit tun.
Sie werden dann auch an uns denken,
wenn sie die Dinge mal hier lenken,
so, wie denken an all jene,
die oben standen, als wir kleene.
Manch einer davon fehlt uns sehr
(und mit der Zeit werdens immer mehr):
Überlegt, wer noch im letzten Jahr
Hier mit uns all’n versammelt war.
Erhebt euch nun und denkt an die,
die uns erfreuten mit Phantasie,
die uns zum Frohsinn begeistert haben,
an der’n Erinnerung‘ wir uns laben.
Mit Ehrfurcht ihrer zu gedenken
Zun ihn’n wir die Gedanken lenken:
Wir wissen sie versammelt all
In der ewigen Narrhall.
In aller ihrer werten Namen
Danke ich euch, die ihr herkamen,
um ihrer heute hier gedenken.
Doch nun wird „Aschermittwoch“ lenken,
die Gedanken zur Passion,
die nun folgt auf die Session.
Es war vor rund 2000 Jahren,
da standen viele Römerscharen
in Judäa dort am Meer.
Und man fürchtete sie sehr,
denn es gab dort nicht das kleine,
altbekannte und doch feine
nette Dorf des Asterix.
Und so gab es halt auch nix
Was sie vor den Römern schützte,
deren Reich das Land ausnützte.
Gallien lag da sehr fern –
Fast schon auf nem andern Stern.
Doch in Galiläa war ein Mann,
der sich des Elends nahm bald an.
Doch Galiläa war zumal
Angesehen wie Baunatal
Und deshalb war es fraglich dann:
Was wollte denn von dort der Mann?
Wenn er dann Gottes Reich beschwor,
da meinte man, es steh‘ bevor
der Niedergang der Römerei.
Doch dazu war er nicht dabei.
Er wollte dazu nicht gern schweigen,
sondern allen Menschen zeigen,
daß wir alle stehn in Gottes Hand
und hat sich deshalb dann gewandt
und stieg nach Zion nun hinan,
kam in Jerusalem dann an.
Die Römer staunten darob sehr
Und machten über ihn sich her,
und so schlugen sie sodann
ihn am Marterkreuze an.
Dort starb er in der dritten Stund,
doch segnen sollte noch sein Mund.
Am dritten Tage er erstand
Und seine Jünger er dann fand,
daß sie verkünden Gottes Reich,
in welchen alle Mensch‘ sind gleich,
wo Liebe herrscht und Gottes Segen,
bei dem sich alle Menschen regen
und wo getröstet wird im Leid,
wo Tod nicht tötet – wie gescheit!
Denn niemand bleibt im Grab nur liegen,
es wird schon bald emporgestiegen
und Gottes Reich dann so entsteht,
wo Gottes Geist dann eben weht.
Darum ertragt nun schon
Die 40 Tage der Passion,
bis Auferstehung Wirklichkeit –
und irgendwann ist’s dann so weit:
am 11.11. steht der Till,
der sich ins Grab nun legen will,
fröhlich wieder hier im Bau
und grüßt mit Alaaf – Helau.
Lebt bis dahin mit Gottes Segen,
den er will auf alle legen
und macht den Saal dann wieder voll.
Helau – Alaaf – es dankt Dirk Stoll.




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