Fastenpredigt von Pfarrer Dirk Stoll

Traditionell hat unser GKK-Ehrensenator und Pfarrer Dirk Stoll das letzte Wort in der Session. Seine „Fastenpredigt“ blickt kurz vor dem Aschermittwoch auf das Jahr und die Session und mündet in das Ablegen der Orden. Wir dokumentieren hier seine Rede aus dem Jahr 2018.

 

Wenn die Stadtgarde im Glanz

Zeigt den neusten Garde-Tanz,

wenn den Stock-Platz beschwört der Till

Der Fullefischer kiffen will,

 

Wenn Nina lobet wieder mal

Das „Diesseits von Baunatal“,

Wenn dann auch die „Wölfe“ bringen

Kasseläner Lied` zum Klingen

 

Wenn Superwomen fordert schlau

Den Elferrat auch für die Frau,

dann ist es wieder mal so weit:

in Kassel ist die Kar’nvalszeit!

 

Schwungvoll feiern also dann

Narren – frei jedem Bann.

Ordensfest und Prinzenball

Frohe Stimmung überall

 

Und der große Umzugswurm

Endet dann im Rathaussturm

Doch dann, da nähert bald sich doch

Schlußendlich der Aschermittwoch.

 

Warum muß der die Freud‘ uns rauben,

es ist doch wirklich nicht zu glauben,

daß alles so zu Ende geht,

weil nun ein anderer Wind weht.

 

Laßt uns darum noch mal verweilen,

bevor die letzt‘ Minuten eilen,

und schauen noch einmal zurück

was das letzte Jahr uns bracht zum Glück.

 

Als wir vor einem Jahr hier schieden,

hat mancher wohl die Wahl gemieden:

Denn alle hab‘n verinnerlicht

Aus der OB-Direkwahl-G’schicht:

 

Mit einem Gang ist’s nicht getan,

man muß da eh‘ ein zweit‘s Mal ran.

Das war selbst so, wenn nur derer zwei

Waren am Wahltag mal dabei.

 

Selbst Bertram konnte dies nie hindern:

Daß Wahlen werden zu Leuteschindern.

Und hier standen nun auch bereit

Gleich sechs für eine neu‘ Amtszeit!

 

Da ist’s kein Wunder, daß man nicht

Mehr wählen will. Da sagt man „Schicht“,

Nein, es wär da zu überlegen,

zu suchen nach bessern Wahltagswegen.

 

Doch das will ich hier nicht ausbreiten

(darum soll’n sich andre streiten),

ich will hier sagen: im März zum Glück

gab’s Christian sein Gesellenstück

 

marschierte gleich mal durch zum Sieg,

(die 50% er überstieg)

So zog er ins schönste Zimmer unsrer Stadt

Die doch so wenig Schulden hat!

 

Doch für ein Ziel – Scheibenkleister –

Reicht das nicht aus: Du wirst nie Meister!

So sitzt du heute auf der Stelle

als neuer Oberbür-geselle!

 

Stadtbaurat Nolda bekanntlich hat

Den Plan der autofreien Stadt

Und kämpft dafür – es ist zum Grausen -,

daß keine Autos mehr rumsausen.

 

Ein erster Schritt ist nun getan

In diesem wilden irren Wahn:

In Wolfsanger das Spritzenhaus

Kam nicht mit renovieren aus,

 

nein, es mußte neu erstehn.

Und daran kann man es nun sehn:

Dort, wo es steht, so kann man sagen,

kommt raus kein Feuerspritzenwagen:

 

Nur noch mit Fahrrad zieht einher

Wolfsangers freiwillig Feuerwehr.

So fällt ein Auto wen`ger an:

Ein erster Schritt in Noldas Plan!

 

„Alternative Fakten“ hieß das Jahreswort.

Man hörte es an jedem Ort.

Doch ist nicht alles faktisch richtig.

Das klarzustell’n, ist manchem wichtig.

 

Ne Burgerkette macht uns klar,

was davon ist dann wirklich wahr,

was an Postfaktischem rumschwirrrt:
Daß man vom Küssen schwanger wird,

 

daß Kidney-Beans die Nieren sind

von irgendeinem Kleintierkind,

daß Bielefeld ne virtuelle Stadt –

und Frau’n gehör’n zum Elferrat.

 

Ein Problem die documenta hat,

das Aushängeschild unsrer Stadt:

Das Defizit, es ist sehr groß.

Wie konnt‘ das kommen dazu bloß?

 

Lag’s daran, daß auch in Athen

Die documenta war zu seh‘n?

Oder Künstler kein Verhältnis haben

Zum Geld – so daß sie stets sich laben

 

Wenn andere Finanzen stellen?

Ich möchte hier gerne aufhellen,

daß sie verantwortlich wohl waren

und mit Bedacht sie taten sparen!

 

Das Marmorzelt, das mußte weg.

Die Auflag‘ dazu war schon schräg:

Von Tür zu Tür der Flug soll sein.

Darauf ließ Symzyk sich nicht ein!

 

Da sparte er nun wirklich Geld:

Er ließ nicht schleifen die Grimmwelt,

den Weinberg nicht zum Flugplatz machen

um zu versenden diese Marmorsachen.

 

Dann kam die Bundeswahl: Wie schön!

Dank Photo-Shop man konnte sehn,

daß es würd‘ sein so richtig nett,

wenn einmal lächelt Norbert Wett.

 

Auch Schulz sah aus, als sei er mehr

Als ein versoffner Parteisekretär

Und Gremmels sah doch wirklich aus,

als wär er aus der Schul‘ schon raus!

 

Doch was dann folgte, das war Mist:

Ein gewählter Volksvertreter ist

Beauftragt durch unser Mandat

Auch zu regieren unseren Staat!

 

Dazu sollt‘ es dann auch gelingen,

die eigenen Kenntniss‘ einzubringen

und nicht nur Posten anzustreben:

Das bringt nichts für der Bürger Leben.

 

Deshalb – so sag ich – macht jetzt hinne!

Ein halbes Jahr! Ich glaub, ich spinne!

Sonst geht ihr gleich – das wär ein Krampf –

Schon in den regulär’n Wahlkampf!

So konnte es nun leicht passieren,

daß man aus dem Auge konnt verlieren,

daß hier ne Personalie nicht stand:
Die Folgen sind uns wohlbekannt.

 

Kein Prinzenpaar stand da bereit

Für die fünfte Jahreszeit:

Hin und her die Namen flogen,

doch alle sind schnell abgebogen,

 

Am Ende nahm man dann vorlieb

Mit nem ein Ersatz – der alte blieb.

Er mußt ihm Amt noch einmal brummen

Doch vorhin hört‘ ich ihn schon summen:

 

ACH Macht mich nicht / zum dritten Mal / zum stolzen Prinz / im Karneval.

Nehmt andere Nar / ren nun dazu / und laßt mich mit /dem Amt in Ruh!

Macht alles, daß / das jetzt geling‘ / denn sonst werd‘ ich / der DRAMA KING!

 

So sollt‘ es doch nun möglich sein,

daß nicht wieder ein Prinz allein,

sondern ein Paar sich meldet bald

zu vertreten uns in Stadt und Wald

 

(sprich: Auch im Landkreis), allerorten,

dann mit wohlgesetzten Worten

statt zu hörn von früh bis spat

von „Frauen in den Elferrat“.

 

Zwar weiß ich mich geschützt nun mal

Vom Badman aus dem Baunatal,

doch wenn es nicht das Thema wär:

Für Ester wär’s ein Problem mehr:

 

Vor kurzen mußte ich gar schauen,

Ich wollte meinen Aug nicht trauen:

Als Ester in „Zivil“ da stand

Hätt ich sie beinah nicht erkannt.

 

So ohne Schild und roten Rock

War es für mich letztlich ein Schock:

Nur farblos wirkte sie da noch.

So bleib bei deiner Fordrung doch!

 

Die Zeit – sie schreitet mächtig fort.

Die Uhren ticken hier vor Ort,

der Aschermittwoch naht heran

Und damit fangen Leiden an.

 

Mit Leid so sahen wir wohl gehen

So manchen, den wir taten sehen

Auf solcher Bühne wir als Kind –

Narren, die nicht mehr bei uns sind.

 

Sie brachten uns aber hierher:

Wir wurden Narren, die so sehr

Derjenigen gedenken all

Die in der ewigen Narhall.

 

Von den Plätzen erhebt euch jetzt

Denkt an die, die wir hab’n geschätzt

Und die uns alle Vorbild waren

Vor vielen, vielen vielen Jahren.

 

 

Ich danke euch für das Gedenken.

Nehmt Platz – ich will nun lenken

Zum Grund, den Aschermittwoch gibt –

Der doch bei Narren unbeliebt.

 

Aus Galiläa kam ein Mann,

der predigte so dann und wann

von Gottes Reich und dessen Liebe,

auf daß kein Mensch verloren bliebe.

 

Er lenkt die Schritte dann bergan

Nach Jerusalem sodann.

Und zieht dahin, obwohl er weiß:

Die Schriftgelehrten sind schon heiß,

 

sie wollen gern ihn mundtod machen.

Er weiß: Dort gibt es nichts zu lachen.

Nach Golgatha hin führt sein Weg

Wo er dann wird zu dem Beleg,

 

daß der Tod überwunden ist,

denn nach drei Tagen düstrer Frist

da ist das Grab dann nämlich leer:

Die Jünger wundern sich da sehr.

 

Doch Christus kommt, zu ihn‘ er spricht:

Seht mich nur an! Fürchtet euch nicht.

Ich bin erstanden für alle gleich –

Wir werden uns sehn in Gottes Reich.

 

So wird auch Leid nun große Freud

Für alle, wirklich alle Leut.

Denn alle haben nun bekommen

Die Liebe Gottes – unbenommen.

 

Am Ostertag dann können lachen

Alle über Todes Rachen,

denn seine Macht ist nun vorbei.

So endet’s in nem Jubelschrei.

 

So ist’s nur eine kurze Zeit,

in der wir stehen in dem Leid.

Am 11.11. klingen wieder

Überall die Karn’valslieder.

 

Wenn wir dann wieder sehn

Den Hoppeditzen auferstehen.

Dann sind wir wieder frohsinnsvoll:

Das letzt‘ Helau ruft nun Dirk Stoll.

 

Der Präsident hat nun das Wort –

Und fährt mit Dankesworten fort.

 

Nun bitt ich: Till, komm schnell heran,

denn du bist nun als nächster dran:

Leg ab dein buntes Narrenkleid!

Denn dazu ist’s nun an der Zeit.

 

Legt auch ihr ab der Narren Zier

Und kommet all nach vorne hier.

Stellt euch hier auf, ob Frau, ob Mann –

Patrick Hartmann – nun stimm an!

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